Zeitungsberichte 2o14 / 2


Streit im Verein  

Muslimischer Schützenkönig wurde ungewollt zum "König der Herzen"

27.12.2014, 08:58 Uhr | Jörg Taron, dpa



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Bericht im Soester-Anzeiger

vom 16.12.2o14



Debatte um muslimischen Schützenkönig

Katholische Schützen diskutieren Richtungsänderung

Von Andreas Sträter

Die Schützen können sich trotz des Wirbels um Mithat Gedik noch nicht auf Reformen einigen. Bei einem Treffen in Langenfeld machten die Brudermeister am Samstag (15.11.2014) deutlich: Wir müssen etwas ändern. Doch der Dachverband ist noch nicht soweit.

Schütze schaut durch ein Fernglas.

Die Brudermeister des Bezirks Werl-Ense bezeichnen sich selbst als "Eisbrecher" für eine Diskussion, die längst überfällig scheint. In ihrem Bezirk ließ sich Mithat Gedik im Sommer zum ersten muslimischen Schützenkönig Deutschlands krönen. Damit wurde im konservativen Schützenwesen eine hitzige Debatte ausgelöst. Am Samstag (15.11.2014) machten sich die 13 Brudermeister des Bezirks auf der nicht-öffentlichen Hauptvorstandssitzung des Bunds der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Langenfeld für eine liberalere Satzung stark und reichten eine Petition ein. Auf konkrete Reformen ließ sich der katholische Dachverband noch nicht ein. "Es gibt aber Änderungswünsche, denen wir uns stellen müssen", sagte Bundespressesprecher Rolf F. Nieborg am Sonntag gegenüber WDR.de.

In dem "Werler Papier" schlagen die Schützen vor, dass Menschen anderer Religionsgemeinschaften auch einen Vorstandsposten übernehmen und ganz normale Mitglieder werden dürfen. Eine einfache Gastmitgliedschaft würde den Brudermeistern aus dem Raum Werl nicht weit genug gehen. Auch der Königsschuss soll freigegeben werden, sagt Rainer Busemann, Sprecher der Bezirksschützen aus Werl-Ense und selbst Brudermeister der Schützenbruderschaft St. Johannes in Ense-Oberense.

Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) vertritt als Dachverband etwa 400.000 Schützen aus über 1.300 Mitgliedsbruderschaften. Der BHDS versteht sich als ökumenischer Verband in der katholischen Kirche, so Bundespressesprecher Rolf F. Nieborg. Zu dem Verband gehören Bruderschaften, Gilden und Schützenvereine der Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Der Leitsatz des Bundes ist "Glaube, Sitte, Heimat". Im Jahr 1928 wurde der Verband als Erzbruderschaft vom heiligen Sebastianus gegründet. Nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten im Jahr 1936 ist der Verband im Jahr 1948 als Zentralverband wieder gegründet worden.

In Langenfeld sind aber auch mögliche Konsequenzen aufgeführt worden, sollte der Dachverband seine Satzung zu sehr lockern. Der Dachverband fürchte zum Beispiel, seine Anerkennung als katholischer Verband zu verlieren und so nicht mehr von den Diözesen gefördert zu werden, verdeutlichte Bundespräses Monsignore Robert Klein aus Köln. "Aus diesen Fördergeldern finanzieren wir unsere Jugendarbeit", erläuterte Nieborg. Es bestehe also noch sehr viel Klärungsbedarf. "Generell war das aber eine sehr wertvolle Kick-Off-Veranstaltung", so Nieborg.

  "Mit so einer Offenheit nicht gerechnet"

 

Trotz der Vorbehalte sind die Brudermeister des Bezirks Werl-Ense relativ zufrieden mit dem Ausgang der Hauptvorstandssitzung. "Mit so einer Offenheit haben wir nicht gerechnet", sagt Busemann. "Wir sind schon ein Stückchen weiter als der Verband." Mit der Petition hätte man innerhalb des konservativen Dachverbands einen Veränderungsprozess losgelöst. Eine positive Grundhaltung sei spürbar. Bis endgültige Reformen getroffen werden können, werde es aber bis zu drei Jahren dauern, so Bundespressesprecher Nieborg: "Wann wir zu Potte kommen, weiß nur der liebe Gott."

Aber was passiert, wenn im nächsten Jahr ein Nicht-Christ den Schützenadler abschießen will? "Dann haben wir Brudermeister ausgemacht, dass wir über solche Fälle sprechen werden", sagt Busemann. Im Bezirk Werl-Ense wollen die Brudermeister nämlich nicht, dass Menschen aus der Schützenbruderschaft ausgeschlossen werden, die einen anderen Glauben haben. Sie wollen auch offen sein für Schützen, die ihren Glauben verloren haben oder geschieden sind. "Die Zeiten haben sich geändert.

 

WDR.de 15.11.2o14


Soester-Anzeiger 17.11.2o14